Dachausrichtung & Solar-Ertrag: Nord, Süd, Ost, West erklärt
Die Himmelsrichtung Ihres Daches entscheidet maßgeblich über den Solar-Ertrag. Wir erklären, wie viel Ertrag jede Ausrichtung erzielt — und wann sich PV auch auf weniger optimalen Dächern lohnt.
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In Deutschland liegt die Sonne immer im Süden — deshalb erzeugen südlich ausgerichtete Dachflächen den höchsten Solarertrag. Ein Süddach mit 30–35° Neigung gilt als Referenz (100 %) für alle anderen Vergleiche.
Entscheidend: Auch abweichende Ausrichtungen sind in der Regel noch wirtschaftlich. Selbst ein Ostdach mit 80 % des Süd-Ertrags erzeugt genug Strom für eine rentable Anlage — besonders wenn der Haushalt morgens viel Strom verbraucht.
Solar-Ertrag nach Dachausrichtung (Tabelle)
Die folgende Tabelle zeigt den zu erwartenden spezifischen Jahresertrag je Ausrichtung und Neigung für einen durchschnittlichen deutschen Standort (1.050 kWh/m² Globalstrahlung/Jahr):
| Ausrichtung | Neigung | Ertrag vs. Süd | kWh/kWp | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| Süd (optimal) | 30–35° | 100 % | ~1.100 kWh/kWp | Ideal |
| Süd-West | 30–40° | 95 % | ~1.045 kWh/kWp | Sehr gut |
| Süd-Ost | 30–40° | 95 % | ~1.045 kWh/kWp | Sehr gut |
| West | 30–40° | 85 % | ~935 kWh/kWp | Gut |
| Ost | 30–40° | 80 % | ~880 kWh/kWp | Gut |
| Ost-West (beidseitig) | 30–40° | 90 % | ~990 kWh/kWp | Gut (längere Produktion) |
| Nord-West / Nord-Ost | 20–30° | 65 % | 660–770 kWh/kWp | Eingeschränkt |
| Nord | 20–30° | 60 % | 605–715 kWh/kWp | Schlecht — prüfen |
* Mitteldeutschland, 1.050 kWh/m² Globalstrahlung/Jahr. Keine Verschattung. Regional können Werte um ±10 % abweichen.
Lohnt sich Solar auf einem Norddach?
Ein Norddach erzeugt nur 55–65 % des Ertrags eines optimalen Süddachs. Das klingt schlecht — ist aber nicht automatisch ein Ausschlussgrund. Eine 10 kWp-Anlage auf einem Norddach erzielt in Mitteldeutschland noch 6.000–7.000 kWh/Jahr.
Ob sich PV auf einem Norddach lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab:
Ein unverschattetes Norddach mit flacher Neigung (15–25°) erzeugt mehr als ein verschattetes Süddach. Bei freiem Horizont ist PV grundsätzlich möglich.
Wer nur einen kleinen Teil des Eigenverbrauchs decken will (z.B. Grundlastabdeckung), kann auch auf einem Norddach wirtschaftlich arbeiten.
Wenn sowohl Süd- als auch Norddach verfügbar sind, immer das Süddach priorisieren. Eine Erweiterung aufs Norddach kann später noch erfolgen.
Ein stark verschattetes Norddach (Bäume, Nachbargebäude) erzeugt oft weniger als 50 % des Referenzertrags — wirtschaftlich meist nicht sinnvoll.
Dachneigung: Welcher Winkel ist optimal?
Neben der Himmelsrichtung beeinflusst auch der Neigungswinkel den Jahresertrag. Hier die Ertragsabweichungen von der optimalen Neigung (30–35°) bei Südausrichtung:
| Neigungswinkel | Ertrag vs. Optimal | Hinweis |
|---|---|---|
| 0° (Flachdach) | 85–87 % | Aufständerung auf 20–30° empfohlen |
| 15–20° | 93–96 % | Gut — besonders selbstreinigend durch Regen |
| 25–30° | 97–99 % | Sehr gut — nahe am Optimum |
| 30–35° (optimal) | 100 % | Maximalertrag für Jahresdurchschnitt |
| 40–45° | 95–97 % | Gut — mehr Winterertrag, weniger Sommer |
| 50–60° | 88–93 % | Fassade: mehr Winter, weniger Sommer |
| 90° (Fassade) | 65–70 % | Nur für Fassaden-Integration geeignet |
Ost-West-Dach: Oft besser als man denkt
Ein Ost-West-Dach mit Modulen auf beiden Seiten erzeugt zwar im Jahresvergleich nur etwa 85–90 % des Ertrags eines reinen Süddachs — hat aber einen entscheidenden Vorteil: Die tägliche Produktionszeit ist deutlich länger.
Ost-West-Vorteil
- ✓Produktion von 7 Uhr bis 19 Uhr (12 h)
- ✓Bessere Abdeckung des Morgen- und Abendverbrauchs
- ✓Höherer Eigenverbrauchsanteil ohne Speicher
- ✓Geringere Spitzenlast mittags — netzdienlicher
Süd-Nachteil im Vergleich
- –Produktionsspitze nur 10–14 Uhr
- –Viel Überschuss mittags, wenig abends
- –Niedrigerer Eigenverbrauchsanteil ohne Speicher
Für Haushalte, die morgens (Frühstück, Homeoffice-Start) und abends (Kochen, E-Auto laden) viel Strom verbrauchen, kann ein Ost-West-Dach sogar wirtschaftlich besser sein als ein reines Süddach — trotz niedrigerem Gesamtjahresertrag.
Verschattung: Der größte Ertragsfeind
Verschattung ist oft schlimmer als eine ungünstige Dachausrichtung. Bei konventionellen String-Wechselrichtern gilt: Wenn ein Modul in einer Reihe verschattet ist, sinkt die Leistung der gesamten Reihe auf das Niveau des schwächsten Moduls — ähnlich wie bei alten Lichterketten.
Mögliche Verschattungsquellen, die Sie vor Kauf prüfen sollten:
- !Bäume im Süden des Hauses (besonders im Winter tief stehende Sonne)
- !Nachbargebäude, die zwischen 10 und 14 Uhr Schatten werfen
- !Dachaufbauten wie Kamine, Lüftungsrohre oder Sat-Antennen
- !Gauben, Dachfenster oder andere Dachunterbrechungen
- !Schneeansammlungen im Winter (besonders auf flachen Dächern)
Wie prüfe ich mein Dach?
Für eine erste Einschätzung reichen einfache Schritte. Für eine genaue Berechnung empfehlen wir unseren kostenlosen Online-Rechner oder eine Vor-Ort-Begehung durch einen Installateur:
1. Kompass-App nutzen
Öffnen Sie eine Kompass-App auf dem Smartphone und messen Sie die Ausrichtung Ihrer Dachfläche. Norden = 0°, Süden = 180°. Werte zwischen 135° und 225° (SW bis SO) sind sehr gut.
2. Neigung grob schätzen
Steile Satteldächer in Deutschland haben typischerweise 30–45° Neigung. Flachdächer liegen bei 0–10°. Zur genauen Messung: Neigungsmesser-Apps für Smartphones.
3. Verschattungsquellen identifizieren
Gehen Sie an einem klaren Tag um 12 Uhr mittags zu Ihrem Dach oder schauen Sie auf Google Earth. Werfen Bäume oder Gebäude Schatten auf die potenzielle Modulfläche?
4. Online-Rechner nutzen
Unser kostenloser Rechner wertet Satellitendaten und Klimadaten für Ihre genaue Adresse aus — inklusive Ausrichtungsanalyse, Verschattungscheck und Ertragsprognose.
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Jetzt kostenlos berechnen →Häufige Fragen: Dachausrichtung und Solar
Welche Dachausrichtung ist für Solar optimal?▼
Eine Südausrichtung mit 30–35° Neigung ist optimal und erzielt 100 % des theoretisch möglichen Ertrags (ca. 1.100 kWh/kWp in Deutschland). Süd-West und Süd-Ost liegen bei 95 % und sind ebenfalls sehr gut. West und Ost erreichen 80–85 %. Selbst Norddächer sind mit 55–70 % oft noch wirtschaftlich.
Lohnt sich Solar auf einem Norddach?▼
Ein Norddach erzeugt 55–65 % des Ertrags eines optimalen Süddachs. Das entspricht etwa 605–715 kWh/kWp statt 1.100 kWh/kWp. Ob sich PV lohnt, hängt vom Einzelfall ab — bei günstiger Dachfläche, keiner Verschattung und kleiner Anlage kann es trotzdem wirtschaftlich sein. Eine konkrete Berechnung ist empfehlenswert.
Was ist der optimale Neigungswinkel für Solaranlagen?▼
Für maximalen Jahresertrag ist ein Neigungswinkel von 30–35° bei Südausrichtung optimal. Flachere Dächer (15–25°) erzielen noch 90–95 % des Maximalertrags. Steilere Dächer (45°+) liegen bei 90–95 % im Sommer, aber besser im Winter. Auf Flachdächern können Aufständerungen den optimalen Winkel herstellen.
Ist ein Ost-West-Dach gut für Solar?▼
Ein Ost-West-Dach erzeugt zwar nur ca. 80–90 % des Ertrags eines Süddachs, hat aber einen wichtigen Vorteil: Es produziert über einen längeren Tageszeitraum Strom — morgens nach Osten, abends nach Westen. Das führt zu einer besseren Abdeckung des Eigenverbrauchs und ist für Haushalte mit Verbrauch morgens und abends oft günstiger als ein reines Süddach.
Wie stark reduziert Verschattung den Solar-Ertrag?▼
Verschattung ist der größte Ertragsfeind. Bei konventionellen String-Wechselrichtern kann ein einzelnes verschattetes Modul die Leistung der gesamten Modulreihe um 30–80 % reduzieren. Mit Modul-Optimierern oder Mikro-Wechselrichtern wird der Einfluss einzelner verschatteter Module auf ca. 5–15 % begrenzt.